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© Bühnenwölfe

Astoria

nach Jura Soyfer

In Astoria ist alles besser. Es gibt dort keine Arbeitslosen, keine Kriminalität, kein Unglück, kurz: es ist ein Ort, wohin sich jeder einfach sehnen muss. Schnell verbreitet sich die Kunde von diesem wundersamen Staat und ebenso schnell häufen sich die Anträge auf Einreisevisa und die Anfragen nach internationalen Geschäften. Es könnte also alles perfekt sein in diesem Staat, gäbe es da nicht ein kleines Problem: Astoria existiert nicht, es ist nur ein Phantasiegespinst eines Landstreichers, der nun in arge Erklärungsnot gerät.

Hintergrund zu Jura Soyfer

Der österreichische Dramatiker und Kabarettist wurde am 8. Dezember 1912 als Sohn eines jüdischen Industriellen in Charkow in der Ukraine geboren. 1920 flieht seine Familie vor der Bolschewistischen Revolution nach Wien, wo Inflation und Nachkriegselend herrschen. Nach dem Abitur 1931 studiert Soyfer an der Universität Wien Deutsch und Geschichte und veröffentlicht regelmäßig Gedichte in der Arbeiter-Zeitung. Die Gedichte und Theaterstücke der Jahre 1932 - 34 gelten dem Kampf gegen den Nationalsozialismus in Deutschland, gegen den Austrofaschismus, gegen die Unentschlossenheit der Linken, gegen das Chaos des Kapitalismus in der Wirtschaftskrise und rufen zur Solidarität der Arbeiterklasse auf. Nach der Niederlage der Sozialdemokraten im Februar 1934 verlässt er - enttäuscht von der Parteiführung - die Partei, und arbeitet für die verbotene KP. Vor der Premiere von BROADWAY-MELODIE 1492 wird Jura Soyfer durch eine Verwechslung verhaftet. Dabei findet man ausreichend belastendes Material. Erst im Zuge einer Amnestie für „Politische" wird er am 17.2.1938 aus der Untersuchungshaft entlassen. Nur 25 Tage später, am 13. März wird er beim Versuch auf Schiern über die Schweizer Grenze zu flüchten, neuerlich verhaftet. Am 23. Juni wird er mit seinem Freund Hugo Ebner nach Dachau eingeliefert und im September nach Buchenwald überstellt. Dort stirbt Jura Soyfer am 16. 2. 1939 als rassisch und politisch Verfemter an Typhus, wenige Tage nachdem er seine Einreisepapiere in die USA erhalten hatte. Soyfer gehört zu den wichtigsten politischen österreichischen Autoren des 20. Jhdts. Seine Theaterstücke vereinen die Tradition des Wiener Volksstücks mit politischen Lehrstücken im Sinne Brechts. Die Aktualität seiner Themen ist unumstritten: Massenarbeitslosigkeit, soziale Kälte, Gefährdung der Demokratie, zunehmende Gewaltbereitschaft.

1936 Der Weltuntergang - Der Lechner Edi schaut ins Paradies

1937 Astoria - Vineta - Broadway- Melodie 1492